Dagmar Kapfer
Die NaturPraxis

Geschichten, Mythen - rund um unsere Kräuter

Die Schlüsselblume

Warum die Schlüsselblume keine Schätze mehr aufschließt. 

Als es auf der Welt noch Feen gab, besaß die Schlüsselblume Zauberkraft. Wer sie im richtigen Augenblick pflückte, dem brachte sie Glück. 

Einst trieb ein Schäfer zu Frühlingsanfang seine Schafe auf die Weide. Als die Herde zu grasen begann, erblickte er nahe bei einem Felsen ein Büschel blühender Schlüsselblumen. Er pflückte die größte und schönste und steckte sie an seinen Hut. Nach einer Weile wurde der Hut merkwürdig schwer. Der Schäfer setzte ihn ab und blieb wie angewurzelt stehen. 

Statt der Blüte trug er einen Schlüssel aus purem Gold hinter seinem Hutrand. Als er den Schlüssel in die Hand nahm, erschien im selben Augenblick, wie vom Wind her geweht, eine wunderschöne Fee. 

«Fürchte dich nicht», sagte sie. «Der Schlüssel wird dir Glück bringen. Lege ihn hier auf den Felsen. Der Stein wird sich auftun, und du wirst alle Schätze der Erde erblicken. Nimm davon, soviel du willst, doch gibt acht, dass du das Beste nicht vergisst.» 

Der Schäfer wusste nicht, ob er träumte oder wachte. Er trat zu dem Felsen, legte den Schlüssel darauf, und eine unterirdische Grotte öffnete sich, strahlend und glitzernd von Gold, Silber und Edel steinen, dass ihm die Augen übergingen. Schnell breitete er seinen Kittel aus und packte von den Reichtümern darauf, soviel er tragen konnte. Dann warf er sich das Bündel über die Schulter und verliess die Grotte. Aber das Wichtigste, den goldenen Schlüssel, liess er zurück. 

Seither erschliesst die Schlüsselblume die Schätze der Erde nicht mehr. Und auch die Feen, die sich den Menschen zeigten, wurden nicht mehr gesehen.
Aus: «Warum die Bäume nicht mehr sprechen können» erzählt von Jan Vladislav. Illustriert von Dagmar Berková, ins Deutsche übertragen von Jan Vápenik. Hanau : Dausien, 1976 (2. Aufl. 1992

Huflattich  - Märchen

Aus dem Buch von Folke Tegetthoff "Neue Kräutermärchen"

Der für Kräuter zuständige Engel, Herbario, saß in seinem Wolkenlabor und kramte zwischen Blättern, Blüten und Samen. Heute Morgen war er mit einem schrecklichen Husten aufgewacht. Einem Husten, der ganz hinten sitzt und sein Vergnügen darin findet, den Hals zu kitzeln. In seinem Ärger fand Herbario aber nicht gleich die richtige Pflanze, roch da, kostete dort, aber nichts wollte den Husten beruhigen. 

„Wird Zeit, dass der Frühling kommt, damit ich wieder Ordnung hier herein bekomme“, brummte der Engel.
Die Samen probten schon ihren Auftritt, einzelne Blätter hatten sich schon ein Blüten-Makeup aufgelegt. Aber nichts fand sich gegen diesen gemeinen Husten! Im hintersten Winkel entdeckte der Engel einen Topf mit herrlich goldgelben Blüten. „Wer seid ihr denn?“ fragte er und griff nach dem Behälter. Da geschah das Unglück!

Ein Unglück, das dem Kräuterengel Herbario in seiner tausendjährigen Dienstzeit noch nie passiert war: Irgendwie rutschte der Topf aus seiner Hand, fiel von der Wolke und unendlich viele kleine, gelbe Blüten regneten auf die Erde. „Um Himmels willen!“, schrie Herbario entsetzt auf. „Und das im Februar!“
Die Sonne hatte in das weiße Leintuch des Winters schon viele grüne Flecken gemalt. An so einem Sonnentag durfte das Fohlen zum ersten Mal allein auf die Weide. Nachdem es den wilden Galopp ausprobiert, sich auf der weichen, schon warmen Erde gewälzt hatte, legte es sich hin, um ein bisschen zu verschnaufen. Plötzlich glaubte es zu träumen: Es regnete kleine Sonnen! Und es hörte gar nicht mehr auf. Immer mehr Blüten fielen vom Himmel - wie gelber Schnee!

In kindlicher Angst meinte das Fohlen, es wäre zu wild gewesen und hätte die Sonne gestört, die nach ihrer langen Winterruhe ja noch ganz schläfrig war. Also begann es hastig, alle Blüten aufzufressen! Fraß, fraß, bis es ganz dick war und sich kaum noch rühren konnte. Am nächsten Tag hatte das Fohlen die ganze grüne Weide gelb gedüngt...

Oben auf seiner Wolke lag Herbario und sah durch sein Fernglas, was für eine Bescherung er mit Hilfe des jungen Pferdes auf der Erde angerichtet hatte. „Gelbe Blüten im Februar!“, stöhnte er. „Wenn das Gott erfährt, na dann Prost!“. Nun war ja nichts mehr dagegen u machen. Da erst entdeckte Herbario, dass dort auf der Weide ja Blüten ohne Blätter blühten. „Auch das noch“, rief er und schlug sich auf die engelische Stirn. Schnell suchte er nach geeigneten Blättern, aber alle Formen waren schon an andere Pflanzen vergeben. In seiner Verzweiflung und in der Hoffnung auf ein Wunder leerte er einfach den Topf mit der Aufschrift `Blattgrün`auf die Erde. „Wahrscheinlich bin ich meinen Job sowieso los!“, murmelte er und legte sich hinters Fernrohr, um zu beobachten, was nun passierte.

Das Fohlen lag auf der gelb gesprenkelten Wiese und getraute sich kaum, eine Bewegung zu machen. Es dachte immer noch, es sei seine Schuld gewesen, dass die kleinen Sonnen auf die Weide gefallen waren und jetzt alles voller gelber Blütentupfen war. So kann man sich vorstellen, wie das Fohlen in Panik geriet, als plötzlich auch noch ein grüner Regen auf sein Fell herabprasselte!
Es sprang auf und galoppierte und trampelte auf der grünen Masse herum, als wollte es alles in die Erde stampfen. Als es vor Erschöpfung zu Boden sank, bemerkte es, dass sich durch seine Tritte unzählige Blätter geformt hatten.

„Na ja, nicht besonders originell, aber besser als gar nichts“, sagte sich Herbario, „gelbe Blüten im Februar und Blätter, die aussehen wie Fohlenhufe...“ „Herbario!“ rief es plötzlich durch den Himmelssaal. „Oh, mein Gott!“, Herbario flog zitternd zur obersten Himmelswolke.
„Herbario“, sagte Gott, „als ich mir heute Morgen die Erdrundschau ansah, entdeckte ich ein neues Kraut. War das deine Idee?“ Herbario wusste nicht recht, was antworten. „Es gefällt mir. Eine gute Idee, schon im Februar ein bisschen Gelb zu streuen. Und die Blätter sind auch hübsch gelungen. Aber sag, wofür ist es gut?“ „Äh, ich... Ich hatte so schrecklichen Husten und als ich...“. „Gegen Husten also - das ist gescheit. Von solchen Kräutern kann man nie genug haben. Bravo, Herbario!“ Als der Kräuterengel glückstrahlend in sein Wolkenlabor zurückgekehrt war, kramte er zwischen Töpfen und Tiegeln, bis er endlich fand was er suchte.
„Das hast du dir verdient, junges Fohlen.“ Und er leerte einen Sack mit himmlischem Hafer auf die Pferdeweide. „Danke!“ rief er und trug in sein Kräuterbuch den Namen für das neue Kraut ein: Fohlenkraut!

Heilende Anwendungen

Schon Plinius empfahl den Rauch des Huflattich bei Asthma und Bronchitis. So wurden früher häufig Huflattichblätter als Zigaretten oder in Pfeifen geraucht. Der Rauch des Huflattichs wirkt entkrampfend und hilft festsitzenden Schleim zu lösen. Auch heute noch können wir uns diese Wirkung bei hartnäckigem Husten und Verschleimung zunutze machen, indem wir getrocknete Blätter auf einem heißen Ofen verglühen lassen und den Rauch einatmen.

Tee
Am weitesten verbreitet ist die Anwendung des Huflattich als Tee. Er wird vor allem bei chronischem Husten, krampfartigem Husten, Bronchitis, Asthma und Husten bei älteren Menschen angewendet.
Die Schleimstoffe im Huflattich legen sich wie eine Schutzschicht um die Schleimhäute, Gerbstoffe festigen sie und die enthaltenen Mineralien helfen, die Schleimhäute wieder aufzubauen. Außerdem wird Huflattich genutzt, um die Bronchien zu erweitern und Stauungen im feinen Lungengewebe zu lösen.
Für den Tee werden Blüten und Blätter gesammelt, getrocknet und gemeinsam verwendet. Zwei Teelöffel der Mischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen.
Oder wenn du unsicher bist, kaufe fertige getrocknete Teemischungen.





 
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